Malereibetrieb Farbkraft

Ratgeber · Farbe

Silikatfarbe oder Dispersionsfarbe? Unterschiede und Verbrauch

Im Baumarkt stehen Dutzende Eimer nebeneinander, und auf vielen steht etwas anderes. Die wichtigste Frage ist meist: mineralisch oder Dispersion? Hier erfahren Sie den Unterschied – und wie viel Farbe Sie wirklich brauchen.

Von Frank Müller & Markus Stempfle, Malereibetrieb Farbkraft

Dispersionsfarbe: der Allrounder

Dispersionsfarben sind die am weitesten verbreiteten Wandfarben. Ihr Bindemittel sind Kunstharze, die beim Trocknen einen elastischen Film bilden. Sie lassen sich leicht verarbeiten, haften auf fast allen üblichen Untergründen – Raufaser, Gipskarton, alte Dispersionsanstriche – und gibt es in jeder Qualität und jedem Farbton.

Vorteile: vielseitig, einfach zu verarbeiten, große Farbauswahl, in vielen Qualitäten scheuerbeständig.
Nachteile: weniger diffusionsoffen als mineralische Farben, bietet von sich aus weniger Schutz vor Schimmel und Algen.

Silikatfarbe: die mineralische Farbe

Silikatfarben haben Wasserglas als Bindemittel. Auf mineralischen Untergründen wie Kalk- oder Zementputz verbinden sie sich chemisch mit dem Untergrund – man sagt, sie „verkieseln“. Das Ergebnis ist eine sehr dauerhafte, offenporige Oberfläche.

Vorteile: sehr diffusionsoffen, das heißt, die Wand kann Feuchtigkeit abgeben; durch die hohe Alkalität ein schlechter Nährboden für Schimmel und Algen; lichtbeständig, matt und mit einer schönen, mineralischen Optik.
Nachteile: haftet nicht auf allen Untergründen, etwa nicht auf Kunstharzanstrichen, Holz oder Kunststoff; anspruchsvoller in der Verarbeitung; Glas, Klinker und Naturstein müssen gut abgedeckt werden, weil die Farbe dort Flecken hinterlässt.

Und Dispersionssilikatfarbe?

Die meisten „Silikatfarben“ im Handel sind eigentlich Dispersionssilikatfarben: Sie enthalten einen kleinen Anteil Kunstharz, der die Verarbeitung erleichtert und die Haftung auf mehr Untergründen verbessert. Sie vereinen viele Vorteile beider Welten und sind für Innenräume und Fassaden eine beliebte Wahl.

Der Vergleich

DispersionSilikat
Untergründefast alle üblichenvor allem mineralische Putze
Diffusionsoffenheitmittelsehr hoch
Schutz vor Schimmelgering, ohne Zusätzegut durch Alkalität
Verarbeitungeinfachanspruchsvoller
Optikgleichmäßig, viele Glanzgradetiefmatt, mineralisch
Typischer EinsatzWohnräume, Raufaser, GipskartonAltbau, Bad, Keller, Fassade auf Mineralputz

Wann welche Farbe?

  • Neubau mit Gipskarton oder Raufaser: meist Dispersionsfarbe
  • Altbau mit Kalkputz: mineralische Farbe, damit die Wand atmen kann
  • Bad, Küche, nach einer Schimmelsanierung: oft Silikat- oder Kalkfarbe
  • Fassade mit mineralischem Putz: Silikatfarbe
  • Fassade mit altem Kunstharzanstrich: Dispersions- oder Siliconharzfarbe

Wichtig: Silikatfarbe auf einen alten Dispersionsanstrich zu streichen, geht meist schief. Im Zweifel lässt sich mit einem kleinen Test oder einem Blick des Fachmanns klären, was auf der Wand ist.

Wie viel Farbe pro Quadratmeter?

Der Verbrauch steht auf jedem Eimer – als Liter pro Quadratmeter oder als Fläche pro Liter. Viele Innenfarben liegen bei etwa 100 bis 150 Millilitern pro Quadratmeter und Anstrich auf glatten Wänden. Raufaser und grobe Putze schlucken deutlich mehr.

Faustrechnung: Wandfläche (Umfang des Raums × Raumhöhe) minus Fenster und Türen, plus Decke, wenn sie mitgestrichen wird. Das Ergebnis mal Verbrauch pro m² mal Anzahl der Anstriche – meist zwei. Planen Sie etwas Reserve für Ausbesserungen ein.

Beispiel: Ein Zimmer mit 4 × 4 Metern und 2,50 Metern Höhe hat rund 40 m² Wandfläche, abzüglich etwa 4 m² für Fenster und Tür bleiben 36 m². Bei 0,15 Litern pro m² und zwei Anstrichen brauchen Sie rund 11 Liter.

Billig oder hochwertig?

Günstige Farben decken oft schlechter, sodass ein dritter Anstrich nötig wird – die Ersparnis ist dann schnell weg. Auf dem Eimer helfen zwei Angaben nach der Norm DIN EN 13300: die Deckkraftklasse (Klasse 1 deckt am besten) und die Nassabriebklasse (Klasse 1 ist am robustesten). Für Wohnräume sind Klasse 2 bei beiden ein guter Richtwert, für stark genutzte Flächen eher Klasse 1.

Wir sagen Ihnen ehrlich, wo Sie selbst Hand anlegen können – und wo sich ein Fachbetrieb lohnt.

Das können Sie gut selbst

  • Farbmenge ausrechnen und ein Muster anlegen
  • Dispersionsfarbe auf intakten Wänden verarbeiten
  • Auf Deckkraft- und Nassabriebklasse achten

Hier lohnt sich der Profi

  • Mineralische Farben, die Erfahrung in der Verarbeitung brauchen
  • Altbauten mit unbekannten Altanstrichen
  • Fassaden und feuchtegefährdete Räume
  • Untergründe nach einer Schimmelsanierung

Wir beraten Sie gern, welche Farbe zu Ihren Wänden passt – bei der Farbberatung oder direkt beim Innenanstrich.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Kann man Silikatfarbe über Dispersionsfarbe streichen?

Reine Silikatfarbe in der Regel nicht, weil sie sich mit dem Kunstharzfilm nicht verbindet. Dispersionssilikatfarben haften je nach Produkt besser. Im Zweifel vorher testen.

Ist Silikatfarbe gut gegen Schimmel?

Durch ihre hohe Alkalität ist sie ein schlechter Nährboden für Schimmel. Die Ursache der Feuchtigkeit muss trotzdem behoben werden.

Wie viel Farbe brauche ich für ein Zimmer?

Wandfläche mal Verbrauch pro m² mal Anzahl der Anstriche. Für ein Zimmer von 4 × 4 Metern sind es bei zwei Anstrichen grob 10 bis 12 Liter.

Welche Farbe passt zu Ihrer Wand?

Wir prüfen den Untergrund und beraten Sie zu Farbe, Qualität und Ton – kostenlos vor einem Auftrag.

Wohnzimmer nach dem Innenanstrich durch Farbkraft
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